Auf die von Anfängern immer wieder gestellte Frage, was denn bei der Übung der Zen-Meditation heraus komme, antwortete einmal unser Lehrer: „So genau weiss ich das auch nicht, aber eines kann ich ihnen versichern: wenn sie 10 Jahre lang ganz regelmäßig jeden Tag sitzen, wird es keinen Ort mehr in der Welt geben, an dem sie nicht gut sitzen können!“


Was also ist Zen-Meditation? Einerseits ein religiöser Weg, aber keine Religion. Zen gründet im Buddhismus ist aber gleichzeitig geprägt durch seine Geschichte über 2000 Jahre. Zen-Meditation  hat keine Theologie, keine Philosophie, sondern ist eine Geistesschulung, ein Weg zu wahrer Menschlichkeit. Zen-Meditation fordert keinen Glauben, vermittelt keine Dogmen hat aber viel zu tun mit Vertrauen und ist darum nur existentiell, übend, vollzieh- und erfahrbar.


Warum Menschen Zen-Meditation praktizieren hat ganz verschiedene Gründe: Lebenskrisen bewältigen, zur körperlichen und geistigen Gesundung etwas beitragen, Kreativität erhalten oder entwickeln, Wunsch nach Ruhe und größerer Gelassenheit, Neugier an einer fremden Kultur, Wegkommen von Oberflächlichkeiten, hin zu Sinnfindung und Tiefe.


All dies hat seine Berechtigung und kann Motivation zum Tun oder willkommene Begleiterscheinung auf dem Weg sein. Zen ist zunächst eine bestimmte Methode, eine Technik des Sitzens, die sich in tausenden von Jahren entwickelt hat. Diese Methode heißt Zazen und meint das Sitzen auf Kissen oder Bänkchen, Gesicht zur Wand, die Knie stabilisieren den Körper. Aufgerichtete und geistesgegenwärtige Haltung des Körpers. Körper und Geist sind vereinigt in der Stille des gegenwärtigen Augenblicks. Das Bewusstsein ist auf Körper und Atem gerichtet. Damit wird deutlich:

Zen-Meditation ist, genau genommen, keine Meditation auch wenn es hier, zum besseren Verständnis, so genannt wird. Zazen, die Praxis des Zen, ist eine Übung. Meditation heißt sich versenken, ist eine sinnende Betrachtung z.B. auf ein Bild, einen Text usw. Zazen hat keinen Gegenstand. Es geht vielmehr um ein waches, achtsames Wahrnehmen aller Gedanken, aller Gefühle und um den Versuch, sich davon nicht besetzen zu lassen.


Die konkrete Art wie Zen gelehrt wird hängt ab von der jeweiligen Tradition in der der/die Lehrende steht, hat aber auch den individuellen Charakter des Lehrenden. So hat das Thema Körper und Atem bei Gen-Ki, bei Ihren SchülerInnen und/oder bei ihr Übenden, aufgrund der verschiedenen Ausbildungen im Bereich des Yoga, ein größeres Gewicht als bei Kyu-Sei, der aufgrund seiner langjährigen Koan-Schulung, mit seinen SchülerInnen verstärkt mit Koans arbeitet. Bei beiden jedoch ist die Übung des Shikantaza – nur Sitzen – zentral.


Zen-Meditation kommt aus dem Buddhismus. Wer dies leugnet, tut sich selbst und der Sache nichts Gutes und ist eher unredlich. Auf die buddhistische Herkunft weisen Rituale, Rezitationen, Statuen, Lehrvortrag. Zen hat unmittelbar zu tun mit Buddha, Dharma und Sangha. Es ist keine Religion in unserem westlichen Verständnis. Dies schließt jedoch nicht aus, dass für viele Menschen Zen zu einem religiösen Weg geworden ist im Sinne von Festmachen, Anbinden an den Ungrund , Erfahrung eines allumfassenden Seins.


So hat die Übung eine lange, ununterbrochene Tradition, hat ganz bestimmte Formen, hat Menschen, die den Weg autorisiert lehren, bietet einen klaren und nüchternen Rahmen, gekennzeichnet durch Stille und weist über all das hinaus auf das Namenlose, nie zu Besitzende, transzendiert alle Versuche der Vereinnahmung, Zen-Meditation  lässt auch Zen hinter sich, überschreitet alle Begriffe. "Offene Weite nichts von heilig", antwortete Bodhidharma auf die Frage des Kaisers nach dem höchsten Sinn der Heiligen Wahrheit. Und auf die zentrale Frage eines Mönchs namens Hui-tschau: "Was ist es mit Buddha?" antwortete der Abt Fa-yän: Du bist Hui-tschau!.


Zen-Meditation greift immer auf das Leben. Ist nicht abgehoben, zielt nicht auf eine himmlische Existenz, sondern auf die Befreiung vom Leiden durch das Aufhören von Gier, Zorn und Verblendung in all ihren Formen, die Entfaltung von Lebensfreude und Frieden und damit auf eine Freisetzung aller Kräfte zur Bewältigung von Lebensaufgaben und zur Aktivierung von Mitgefühl mit allen Wesen.


ZEN

Übung des Schweigens